Freitagabend, 22 Uhr: Charly düst die Einfahrt hoch, das Auto vollgepackt mit Luma, Stiefeln, Jacket und unserem „3. Mann“. Bis kurz vor Abfahrt war nicht klar wer mit Charly und mir die rote BoDo-Fahne in Darmstadt hochhalten sollte. Als Frida (eigentlich mit Herzen Münsteranerin) ausstieg und verkündete, dass sie Lernen ganz spontan auf ein anderes Wochenende verschoben hat, wusste ich, das Wochenende kann nur GANZ GANZ GROß werden!! Unser Lied des Wochenendes: „ich such die ganz, ganz große Liebe. Ich such das ganz, ganz große Glück!“ Es ging also los gen Darmstadt, mein erstes Studententurnier, mit der halbkranken, tapferen Charly und der wohl besten Ersatzreiterin! Gegen Mitternacht, Ankunft in Darmstadt: die Turnhalle erschien mir wirklich nobel, mehr wie ein Tanzsaal. Schnell alles ausgepackt und dann gings ruckizucki rüber zur Mottoparty! Es war ein Heidenspaß!!! Alle waren kunterbunt angezogen und tauschten ihre Klamotten hin und her, die Stimmung war wirklich großartig!! Allzu lang waren wir allerdings nicht da, Frida ging es nach ziemlich viel Alkohol ziemlich schnell ziemlich schlecht… Charlys Luma – durch Omis selbstgenähten Überzug ganz sicher die gemütlichste aller Zeiten! – wartete auf uns drei! Die erste Nacht in einer Turnhalle…ganz ehrlich: die abenteuerlichen Geschichten, die mir im Vorfeld zu Ohren gekommen waren, erschienen mir doch sehr wild und ich hab hin und wieder Zweifel gehabt, ob das auch alles so der Realität entspricht. Es entspricht ihr voll und ganz!! In dieser Nacht waren einige auf der Suche nach der ganz, ganz großen Liebe…
Samstagmorgen, Dressurtag Katzenwäsche, weiße Klamotten an und erstmal zum Frühstück! Dann ging es los mit der Reiterei: Pferdevorstellung, Auslosen…für mich alles neu und ich war wirklich heilfroh, dass mein erstes Pferd mir den Einstieg nicht allzu schwer gemacht hat. Frida hatte es da doch etwas schwerer auf dem hoppeligen Schecken – knapp geschlagen. So schlimm fand unser Partymäuschen das aber nicht, lieber erstmal von der gestrigen Party erholen und auf die neue einstimmen. Charly sollte an diesem Wochenende Glück mit den Haffis haben und so waren wir zwei eine Runde weiter. Die Mannschaftsnote war die zweitbeste des Turniers, wir lagen gut im Rennen! Charly legte eine richtig schöne L-Dressur hin und war unumstritten weiter! Bei mir lief es zwischenzeitlich auch mal ein paar Pferdelängen rückwärts und mir wurde klar, dass Dinge die auf den ersten Blick einfach aussehen, nicht einfach sein müssen. Irgendwie ging es dann aber doch: beide BoDos waren eine Runde weiter. Die zweite L-Runde wurde für mich zur Herausforderung und auch Charly hatte alle Hände voll zu tun – im wahrsten Sinne! Danke Frida, dass wir so früh im Bett waren! Ausgeschlafen und mit Kraftreserven haben wir die drei Aufgabenminuten irgendwie geschafft, keine Ahnung mehr wie. Finale – auf einmal war es dann schon vorbei mit der Reiterei und auf dem Rückweg zur Turnhalle freute man sich schon auf das BoDo-Dressurfinale mit Kür am nächsten Tag!
Die Party am Samstagabend: Darmstadt war wirklich toll organisiert, die Mottoparty war super, das Essen war lecker, grandiose Stimmung, großartige Pferde, es war alles perfekt, aber die Party am Samstagabend war es leider nicht. Der DJ (alle kannten ihn, nur ich hab den Namen schon wieder vergessen) war nicht so richtig gut und so wollte die rechte Partystimmung einfach nicht aufkommen. Wir haben den Abend spontan zur „goldenen Möwe“ (O-ton Charly) verlegt: Tee für Charly, Burger für Frida und Schokokuchen für mich. Super Auf Servietten entstanden dann die ersten Ideen für die Finalkür, die Vorfreude auf den Sonntag stieg.
Sonntag war Spring- & Finaltag. Charlys Haffi-Glück ging weiter und die nächste Runde war sicher. Frida drehte eine meisterliche Runde, leider trotzdem ganz knapp raus. Ich war auch draußen, zwar auch knapp, aber meine Runde war bestimmt nicht meisterlich! Charly hatte sich – ohne, dass Frida und ich auf der Tribüne zittern mussten – ins Halbfinale geritten. Die ganz, ganz große Liebe hatte sie dann allerdings nicht gelost und musste leider aufgegeben um Leib und Leben nicht zu gefährden. Ich dachte kurz, das ganz, ganz große Glück verlässt uns… aber dann wurden die Dressurfinalpferde vorgestellt und Charly und ich waren uns einig, dass es sicher keine besseren Pferde hätte geben können! Die M-Dressur lief glaub ich für uns beide ähnlich gut. Ich wollte grade auf das nächste Pferd steigen, als es auf einmal hieß: erst Finalknutschen! Ich dachte „finales Knutschen“, bevor gleich alle nach Hause fahren und wollte mich schon auf die Tribüne setzen, um mir den Spaß anzusehen. Aber nein: es bedeutet nämlich „Knutschen der Finalteilnehmer“. Es ist verrückt, sandig und knutschen tut man eigentlich auch nicht, aber es ist Tradition und gehört dazu wie Luma und Faco! Die Kür eröffnete Charly mit einer Musikkomposition von Alex aus Neuss – Bushido & Co.! Es war großartig und die Stimmung war einfach gigantisch! Das gibt es eben doch nur beim Kürreiten. Ich hatte wahnsinnig viel Spaß in der Kür und ein riesen Dank gilt der Besitzerin beider Pferde und natürlich den Pferden selbst. Das war sicher Charlys und mein ganz, ganz großes Glück!
Am Ende war Charly in allen Sparten ganz vorne platziert, ich konnte die Dressur gewinnen und mit der Mannschaft waren wir zweite – lediglich geschlagen vom eingefleischten Darmstädter-Oldieteam. Die herrliche Freitagabendparty, die vielen fröhlichen Gesichter, die ausgelassene Stimmung, gutes Essen & Organisation, unsere großartige Mannschaft mit einer tapfer gegen die Erkältung kämpfenden Charly und einer Ersatzreiterin in Traumbesetzung und natürlich das tolle Kürerlebnis haben mich an diesem Wochenende die ganz, ganz große Liebe zur Studentenreiterei finden lassen! Danke Charly, danke Frida, auf ein nächstes Mal!
